Lebenswege - Seelenwege 
 

Ein Beruf zwischen den Zeiten 

von Amy Weigelt
Veröffentlicht am 20.01.2026

Der Raum ist kühl, die Eingangstür quietscht in drei verschiedenen Tönen, es riecht nach Holz. Die Werkstatt von Restauratorin Theresa Demmel (30) versetzt einen weg von der hektischen Außenwelt, hinein in die von Meister Eder und seinem Pumuckl. Sie ist gefüllt mit goldglänzenden Holzrahmen, Skulpturen und Werkzeugen. „Wir haben alles, müssen nur schauen, wo es ist“, meint Theresa. Die Restauratorinnen würdigen jedes Objekt und besitzen so einen Raum voller Schätze. Hinter dem Hauptraum ist der Maschinenraum, hier macht der gelegentliche Holzstaub das Einatmen zu einer kratzigen Angelegenheit. Auf der anderen Seite der Wand befindet sich ein komplett gegensätzlicher Raum, der Gemälderaum. Hier ist die Luft stets klimatisiert und staubfrei. Dort bespricht Theresa mit Luisa Lehmann (27), einer Restauratorin, die hier in der Gemeinschaftswerkstatt arbeitet, was noch erledigt werden muss. Heute ist ein ruhiger Tag. Die meisten Aufgaben sind schon abgearbeitet und von dem sonst fünfköpfigen Team sind nur sie übrig. Alle hier arbeiten freischaffend, haben ihre eigenen Kunden, schließen sich für große Projekte zusammen und genießen den Schutz der Gemeinschaft. Theresa sagt dazu: „Ganz allein in der Werkstatt, wäre traurig und einsam“. Im Laufe der Zeit hat sich das Verständnis des Berufs verändert. Heute wird viel zurückhaltender gearbeitet. In dieser Werkstatt gilt das Prinzip: Es ist okay, wenn den Gegenständen ihre Vergangenheit anzusehen ist. Das gehört dazu, sie haben Geschichte. Restauratoren bewegen sich in einem Zwischenraum der Zeiten. Sie arbeiten an Objekten, die teilweise Hunderte Jahre alt sind und konservieren oder restaurieren sie für die Zukunft. Im musealen Raum werden diese Schritte akribisch dokumentiert, um so den Generationen nach ihnen die Arbeit daran zu erleichtern. Stille kehrt ein. Theresa sitzt am Schreibtisch und beantwortet Mails. Nur das Summen der Kühlschränke ist zu hören. „Das fällt mir schon gar nicht mehr auf“, meint Luisa. Das Geräusch eines Bohrers durchbricht die Ruhe. Mit den Objekten kommen ihre Hintergrundgeschichten und die der Besitzer in die Werkstatt. „Wir freuen uns über die Geschichten", sagt Luisa. Dieser Salonsessel ist ein Überraschungsauftrag einer Frau für ihren Mann. Luisa soll den von der Großtante geerbten Sessel wieder in Schuss bringen. Restauratoren sind dafür verantwortlich, dass wir in Museen gehen und Dinge aus längst vergangenen Zeiten bewundern können und die geliebten Stücke der Großtante weiterhin nutzbar sind. Die Restauratorin füllt die letzten Risse des schwarzen Holzgestells mit Leim. Mittlerweile ist es Zeit für eine Mittagspause. Der Duft von Kaffee wabert im Eingangsbereich. Theresa und Luisa sprechen über mögliche Verbesserungen in der Werkstatt. Während sie in die Zukunft planen, erhält ihre Arbeit Teile der Vergangenheit. Vielleicht ist es das, was den Beruf so faszinierend macht.









Zu der Autorin

Amy Weigelt ist eine 22-jährige Journalismus-Studentin an der Hochschule Ansbach mit dem Schwerpunkt Kultur und Lifestyle. Derzeit absolviert sie ihr Praxissemester in München. In ihren Texten interessiert sie sich besonders für kulturelle Themen und Geschichten, die Einblicke in kreative Lebenswelten geben. Im Rahmen eines Kulturkurses hat sie einen Tag in der Werkstätte für Restaurierungen in München verbracht.